Welchen Fisch kann ich noch essen?

“Alaska Wildlachs und Hering aus der Nordsee sind eine gute Wahl, hier hat es noch gesunde Bestände. Auch empfehlenswert sind Bio-Forelle und Karpfen aus europäischer Zucht.” Nicht auf den Tisch gehören Aal, Blauflossen Thunfisch, Granatbarsch, Schnapper, Wittling und der Ostseedorsch.

Die Meere sind überfischt. Was können Verbraucher tun, um Fisch bewusst zu konsumieren? Fischratgeber helfen beim Einkauf.

Zum Fischratgeber von Greenpeace geht es hier.

Zum Fischratgeber des WWF geht es hier.

Um sicher zu gehen, dass der Fisch, aus nachhaltigen Fischereibetrieben stammt, kann es nicht schaden, die Produkte mit der Greenpeace-Liste zu vergleichen. Alaska-Seelachs, Lachs, Thun­fisch, Hering – diese Fisch­arten kommen in Deutschland und der Schweiz am häufigsten auf den Tisch. Richtig guten Gewissens können Fisch Liebhaber aber nur noch wenige Arten essen. Über­fischung, Umwelt­verschmut­zung und Klimawandel setzen den Fischen zu. Hier lesen Sie, um welche Fisch­arten es geht – und erfahren Details über Zucht­bedingungen, Fang Methoden und den Fisch Kauf.

Nur drei Fische werden als empfehlenswert einstuft.
Nur Hering aus der Nordsee kann man von den fünf beliebtesten Fischen noch bedenkenlos essen. Er gehört zu den drei Arten, die sowohl der Fischratgeber von Greenpeace als auch jener vom WWF als empfehlenswert einstuft – gemeinsam mit Karpfen und Afrikanischem Wels.
Fünf Fischarten decken fast drei Viertel des Fischkonsums in Deutschland: Lachs, Alaska-Seelachs, Hering, Thunfisch und Forelle. Wer im Sinne des Artenschutzes geniessen möchte, sollte Alaska-Seelachs meiden, denn der Fisch aus dem Nordpazifik wird mit Netzen gefangen, die empfindliche Lebensräume am Meeresgrund zerstören. Sein grätenarmes Fleisch wird häufig zu „Schlemmerfilets“ und Fischstäbchen verarbeitet, bildet aber auch die Grundlage für Surimi (Krebsfleisch-Imitat).

Forelle: zwei Arten gehen
Bei Forellen sorgt die Vielfalt der Arten für Verwirrung, zumal sowohl Regenbogen- als auch Meerforellen manchmal als „Lachsforellen“ bezeichnet werden. Auf den Teller sollten nur Regenbogen- oder Bachforellen, nicht aber See- oder Meerforellen. Auf Importe aus Südamerika oder Südeuropa besser verzichten, da die Zucht dort viel Süsswasser verbraucht.

Thunfisch: nur Bonito
Auf „delfinfreundlich“ zu achten, reicht bei Thunfisch nicht aus. Zwar wurden die Fangmethoden weitgehend umgestellt, um den Beifang zu reduzieren, aber inzwischen geht es darum, den Thunfisch selbst zu schonen. Bestimmte Arten stehen kurz vor dem Kollaps. Nur der echte Bonito, auch Skipjack genannt, ist in seinem Bestand noch stabil.

Lachs: wild oder gezüchtet?

Entscheidend ist, ob es sich um atlantischen oder pazifischen Lachs handelt. Letzterer geht gut als Wildlachs aus Kanada oder Amerika, denn dort wird der Wildfang nachhaltig betrieben. Atlantischer Lachs ist überfischt und kommt besser aus Aquakultur mit Naturland- oder ASC-Siegel.

 

Fischerei
Nur noch 7% der Fischbestände sind nicht überfischt oder an der Grenze der Überfischung befischt. Die übrigen 93% der Fischbestände sind überfischt oder erschöpft. Zuchten (Aquakulturen) boomen, doch sie tragen zur Überfischung bei und zerstören marine Habitate. Das Leerfischen der Meere hat gravierende ökologische Konsequenzen. Der weltweite Fischkonsum ist seit 1961 durchschnittlich um 3.2% pro Jahr gestiegen. Diese Zunahme ist doppelt so hoch wie die jährliche Zunahme der globalen Bevölkerung. Gemäss Schätzungen entnehmen die Fischfangflotten den Meeren etwa 80 Millionen Tonnen offiziell “gemeldeten” Fisch und andere Meerestiere. Weiterer 20 Millionen Tonnen Meerestiere sind illegal, beziehungsweise “nicht gemeldet” und zusätzlich werden rund 10 Millionen Tonnen Meerestiere über Bord geworfen, da sie entweder zu klein oder verletzt sind. Diese Schätzung beinhaltet den Beifang von Seevögeln, Meeressäugetieren und Reptilien nicht. Von den geladenen Fischen enden zwischen der Verarbeitung und dem Konsum über ein Fünftel im Abfall, weil sie für den Verkauf und Konsum nicht mehr geeignet sind.

Beifang und Zerstörung von marinen Habitaten
Industrielle Fischereimethoden sind in der Regel unselektive Massenfanggeräte. Das heisst, sie führen auch zum sinnlosen Tod von vielen aus Sicht der Fischerei unerwünschten anderen Meerestierarten neben der verfolgten Zielspezies. Gewisse Beifänge werden verwertet, unzählige jedoch tot oder verletzt wieder über Bord geworfen. Schätzungen zufolge sind dies über 30 Millionen Tonnen Meerestiere pro Jahr. Expert/innen gehen davon aus, dass jährlich 1 Million Seevögel (insbesondere Albatrosse), 8.5 Millionen Meeresschildkröten, 650’000 Meeressäuger (z.B. Delfine oder Robben), über 200’000 Seeschlangen und 10 Millionen Haie als Beifang sterben.

Die Ausbeutung der Meerestierarten hat massiven Einfluss auf die Ökologie der Meere. Nahrungsketten, biologische Gleichgewichte werden verändert und zerstört. Bodenschleppnetze sind nicht nur tödliche Fallen für eine Vielzahl von Meerestieren, die nicht beabsichtigt gefangen werden, sondern sie zerstören auch den Meeresboden und die dort lebenden Organismen. Die Degradierung von Meeresgebieten durch die Fischerei kann soweit führen, dass die Widerstandsfähigkeit des Ökosystems gegenüber weiteren Einflüssen wie beispielsweise Verschmutzung so vermindert ist, dass sich sogenannte «dead zones» bilden, in denen kaum mehr Sauerstoff und Leben vorkommt. Diese Zonen nehmen weltweit zu.

Fischzuchten
Die grosse Nachfrage nach Fisch und anderen Meerestieren in industrialisierten Ländern hat zu einem enormen Wachstum von Zuchtanlagen, sogenannten Aquakulturen, geführt. Heute produzieren marine Zuchtanlagen über 50 Millionen Tonnen Fisch. Die Zuchtanlagen sind häufig so angelegt, dass sie beispielsweise als Netzgehege im Meer selbst verankert sind oder eine direkte Verbindung zum Meer aufweisen. Dadurch gelangen die Ausscheidungen der gezüchteten Meerestiere (oder gemästeten Tiere wie im Fall gewisser Thunfische), Krankheitserreger sowie die teilweise zugesetzten Antibiotika ins umliegende Meerwasser. Gewisse Aquakulturen, beispielsweise Garnelenzuchten in tropischen Gegenden, werden entlang von Küsten gebaut. Dadurch werden grosse Teile der Küstenhabitate zerstört, zum Beispiel durch die Rodung von Mangrovenwäldern.

Die am meisten konsumierten Fisch- bzw. Meerestierarten sind karnivor (z.Bsp. Lachs, Garnelen, Thunfisch, Tintenfisch). Das an sie (aber auch an Schweine und Hühner) verfütterte Fischmehl stammt aus Wildbeständen. Rund ein Drittel des weltweiten Wildfischfangs wird zu Fischmehl verarbeitet. Ein Grossteil der Aquakulturen trägt deshalb zur Überfischung der Meere bei und reduziert diese nicht wie von vielen Menschen angenommen.

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